Hoher Bedarf an Recycling-Technologie in Chile

28.03.18 Aktuelles, Energie & Nachhaltigkeit, Innovation & Technologie Transfer, Industrie

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Das 2016 verabschiedete Gesetz für erweiterte Produzentenverantwortung bietet deutschen Greentech-Unternehmen gute Marktchancen in Chile. Die AHK begleitet den Prozess des Aufbaus einer Abfall-Kreislaufwirtschaft seit Anbeginn aus nächster Nähe und vernetzt chilenische und deutsche Stakeholder. 

Von Johanna Sternberg, Leiterin DEinternational AHK Chile

Ziel des “Rahmengesetzes für die Abfallwirtschaft, erweiterte Produzentenverantwortung und Recycling-Förderung”, kurz Ley REP, ist es, einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, indem es die Müllmengen auf den Deponien reduziert, wobei gleichzeitig eine Wertschöpfungskette der Recyclingunternehmen aufgebaut werden soll, was eine Win-Win-Situation auf allen Seiten bedeutet. Der Prozess der Umsetzung des Gesetzes ist momentan mit der Erarbeitung der Durchführungsrichtlinien und Zielvorgaben in vollem Gang.

Welche konkreten Methoden und Technologien in der chilenischen Recyclingwirtschaft zur Anwendung kommen werden, kann daher derzeit noch nicht abschließend gesagt werden. Die AHK kann jedoch auf der Basis mehrerer Projekte zur Förderung eines konstanten und konstruktiven Dialogs der beteiligten Stakeholder und der Kooperation mit relevanten Akteuren, wie Verbänden der Recyclingwirtschaft und der Kunststoffindustrie, erste fundierte Einschätzungen zu Marktchancen für deutsche Unternehmen abgeben.

Aus Gesprächen mit wichtigen Stakeholdern der Abfall- und Recyclingbranche ging hervor, dass Deutschland bezüglich der erfolgreichen Implementierung des REP-Gesetzes das wichtigste Vorbild ist. Hierbei dürfen allerdings nicht die kulturellen Unterschiede vergessen werden, weshalb das deutsche Modell nicht 1:1 übertragbar ist, auch aufgrund einer nicht vergleichbaren Ausgangslage. Aktuell ist der entscheidende Zeitpunkt, um sich mit den betroffenen Akteuren zu vernetzen und anhand von Best-Practice Beispielen zu zeigen, dass Deutschlands Expertise auch in Märkten mit einer anderen Ausgangslage anwendbar ist.

Prinzipiell ist zu sagen, dass in allen Bereichen, die von dem neuen Gesetz betroffen sind, Potenzial für deutsche Anbieter von „grünen“ Technologien und Dienstleistungen vorhanden ist. Dies beginnt am Anfang der Abfallhierarchie mit der Vermeidung von Verpackungen und reicht bis hin zur energetischen Verwertung: 

  • Ökodesign und Maschinen für nachhaltige Verpackungen
  • Technologie für recyclebare Verpackungen
  • Sortieranlagen
  • Technologie für Recycling von Verbundstoffen
  • Technologien zur Verwertung von prioritären Produkten: Batterien, Öle und Schmiermittel, Reifen, Verpackungen, Elektroartikel
  • Technologien für nachhaltige Etikettierung
  • Kleinere Müllverbrennungsanlagen
  • Rücknahmesysteme / Pfandsysteme

Recycling und Abfallwirtschaft: ein Wachstumsmarkt

Das Abfallvolumen steigt in Chile kontinuierlich an. Derzeit hat das Land knapp 18 Millionen Einwohner. Die Weltbank geht für Chile 2025 von 19,26 Millionen Einwohnern und einer merklichen Steigerung der Siedlungsabfälle im Vergleich zu 2009 auf 26.493 Tonnen pro Tag aus. Letzten verlässlichen Statistiken aus dem Jahre 2009 zufolge beläuft sich die Zahl der gesamten festen Abfälle auf 16,9 Mio. Tonnen. Diese setzten sich zu 38 Prozent aus Siedlungs- und zu 62 Prozent aus Industrieabfällen zusammen.

Die pro Kopf produzierten Abfallmengen sind die höchsten in ganz Lateinamerika, die Recyclingraten hingegen noch sehr gering, da sich die Entsorgung fast ausschließlich auf Mülldeponien und –halden konzentriert, insbesondere bei den Siedlungsabfällen So werden insgesamt weniger als zehn Prozent der Abfälle überhaupt recycelt. Die vom REP-Gesetz betroffenen Produktgruppen sind Verpackungsmaterial, Reifen, Schmieröl, elektronische Geräte, Autobatterien, Akkus und haushaltsübliche Batterien. In allen Bereichen bestehen aktuell Technologiedefizite und Bedarf an neuer Recyclingtechnologie.

Im Januar 2017 wurde eine erste Biogasanlage in der Nähe von Concepción in Betrieb genommen, die aus den Gasen von Abfall Strom erzeugt. Die 5 Mio. USD umfassende Investition speist 3 MW in das Stromnetz ein. Müllheizkraftwerke existieren in Chile bisher nicht.

Auf dem chilenischen Markt sind verschiedene Recycling-Unternehmen aktiv. Ihre Rohstoffversorgung wird zum einen über industrielle Abfälle und zum anderen über etwa 60.000 informelle Müllsammler gewährleistet, die für schätzungsweise 60 Prozent des recycelten Hausmülls verantwortlich sind. 

Eines der großen Hindernisse für die erfolgreiche Umsetzung des REP-Gesetzes ist die bislang geringe Verbreitung der Gewohnheit der Chilenen, ihren Abfall zu trennen und dem Recycling zuzuführen. Nach Umfragen recyceln nur etwa 22 Prozent der Chilenen, was sie mit fehlenden Sammeleinrichtungen, Zeitmangel oder fehlender Gewohnheit begründeten. So sieht die Regierung einen wichtigen ersten Schritt in Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen. Doch damit sich das Konsumentenverhalten ändern kann, sind auch zahlreiche andere Maßnahmen notwendig. So haben kürzlich immerhin 99 Prozent der Befragten in einer Umfrage erklärt, dass sie sich eine Etikettierung der Produkte wünschten, die Angaben zu den Umweltbelastungen beinhalten. Das wiederum unterstreicht ein sich wandelndes Umweltbewusstsein.

Weitere Informationen über die Aktivitäten der AHK zur Förderung des neuen Recyclingmarktes in Chile und Zugang zur Zielmarktanalyse hier: