Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 1. Dezember 2017

04.12.17 Aktuelles

Piñera muss in die Stichwahl.

Wie erwartet hat keiner der Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen vom 19. November die erforderliche Mehrheit von mindestens 50 Prozent der Stimmen erhalten, um bereits im ersten Wahlgang zum neuen Staatspräsidenten gewählt zu werden. Der konservative Sebastián Piñera erhielt knapp 37 Prozent der Stimmen, auf seinen Konkurrenten Alejandro Guiller, der vom Mitte-Links-Bündnis unterstützt wird, entfielen 22,6 Prozent. Da die Kandidatin Beatriz Sánchez vom linksextremen Bündnis Frente Amplio 20,3 Prozent der Stimmen erhielt, ist der Ausgang der für den 17. Dezember geplanten Stichwahl offen.  

Wirtschaft im dritten Quartal erholt 

Die chilenische Wirtschaft ist im dritten Quartal um 1,5 Prozent und damit deutlich stärker als in den beiden vorangegangenen Quartalen gewachsen. Neben einer höheren Bergbauproduktion trug der private Konsum, der im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,8 Prozent anstieg, zur Belebung der Konjunktur bei. Dagegen waren die Aktivitäten der Bauwirtschaft rückläufig. Für den Zeitraum Januar bis September ergibt sich eine Wachstumsrate des BIP von 1,1 Prozent. 

Bergbau trägt Wachstum der Industrie -  Verarbeitende Industrie schwächelt 

Der Index der Industrieproduktion konnte im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,0 Prozent zulegen. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Bergbau, der bedingt durch eine Ausweitung der Kupferproduktion (13,3 Prozent), insgesamt um 10,5 Prozent expandierte. Der deutliche Anstieg der Kupferproduktion ist allerdings durch eine niedrige Vergleichsbasis des Vorjahres zu relativieren. Die Versorger (Strom, Gas, Wasser) meldeten eine Steigerung der Produktion um 1,2 Prozent. Dagegen blieb die verarbeitende Industrie im Oktober mit einem Plus von 0,6  Prozent deutlich unter den Erwartungen der Marktteilnehmer, die laut Umfragen eine Wachstumsrate von 4,2 Prozent prognostiziert hatten. Produktionszuwächsen in der Nahrungsmittelindustrie (9,6 Prozent) und der Metallverarbeitung (16,3 Prozent) standen deutliche Rückgänge im Fahrzeugbau  (-48,0 Prozent), der chemischen Industrie (-8,1 Prozent) und der Getränkeindustrie  (-8,5 Prozent) gegenüber. 

Finanzmarkt nach Wahlergebnis unter Druck 

An der chilenischen Börse kam es nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu Kursverlusten, auch der chilenische Peso geriet unter Druck. Die Märkte hatten bei den Präsidentschaftswahlen für Piñera, der als marktfreundlich gilt, offenbar einen größeren Stimmenvorsprung erwartet. Der Börsenindex IPSA, der die Aktienkurse der vierzig größten Gesellschaften abbildet, verzeichnete den stärksten Einbruch innerhalb eines Handelstages seit dem Jahr 2011 und sank um 3,55 Prozent; Bis Ende November sank der Kurs mit 5 003 Punkten auf dem niedrigsten Wert seit Mitte Juli. Der Peso notierte am 30.11. mit 648,78 zum Dollar auf den niedrigsten Wert seit Mitte August, wobei der jüngste Rückgang der Kupferpreise den Druck auf die Währung verstärkte.