Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 1. Februar 2017

03.02.17 Aktuelles, Industrie

Schwere Schäden für die Forstwirtschaft

Bei den schweren Waldbränden im Süden und im Zentrum Chiles sind mehrere Dörfer und über 367 000 Hektar Wald- und Wiesenland zerstört worden. Die Forstwirtschaft einschließlich der Zellulosefabrikation ist ein wichtiger Sektor der chilenischen Wirtschaft: 125 000 Personen sind in diesem Bereich beschäftigt, der Beitrag zum BIP liegt bei 2,4 Prozent. Im Exportbereich steht die Forstwirtschaft mit einem Anteil von rund 9 Prozent an den Gesamtexporten an dritter Stelle. Die Schäden, die durch die Waldbrände entstanden sind, können bisher nur schwer abgeschätzt werden. Nach Angaben des chilenischen Verbandes der Holzwirtschaft (Corma) wurden Neuanpflanzungen der Mitgliedsfirmen auf 70 000 Hektar durch das Feuer zerstört, allein hierfür werden die Kosten auf 350 Millionen Dollar geschätzt.  

Zentralbank leitet Zinswende ein

Wie erwartet hat die Notenbank am 19. Januar mit einer ersten Senkung des Leitzinses seit über zwei Jahren eine Zinssenkungsphase eingeleitet. Die Bank nahm die Rate um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent zurück. Die letzte Senkung der TPMRate datiert vom September 2014. Neben der niedrigen Inflation, die 2016 mit 2,7 Prozent im unteren Bereich des Zielkorridors der Notenbank lag, reagierte die Notenbank auf das seit drei Jahren unterdurchschnittliche Wachstum der Wirtschaft. Wie die Bank in ihrer Pressenotiz zur Zinsentscheidung mitteilte, könnten weitere geldpolitische Impulse zur Reaktivierung der Wirtschaft folgen, vorausgesetzt, die Preisentwicklung bleibt im Rahmen der Zielsetzung. Im ersten Quartal erwarten wir zwei weitere Senkungen der Rate um jeweils 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent.   

Industrie schrumpft im dritten Jahr in Folge  

Die verarbeitende Industrie ist laut einer Mitteilung des Statistikamtes INE im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent gesunken. Bereits in den beiden Vorjahren waren die Fertigungszahlen um 0,7 bzw. 1,2 Prozent geschrumpft. Nach Einschätzung des Statistikamtes ist der Rückgang auf geringere Investitionen im Bergbau und eine Verringerung der Produktion zurückzuführen: Die Kupferproduktion sank im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent auf 5,57 Millionen Tonnen. Darüber hinaus ging die Produktion in der Lachszucht und in der Holzwirtschaft zurück.

Zahl der unsicheren Beschäftigungsverhältnisse steigt -  Arbeitslosenrate nahe dem Jahrestiefstand

Immer mehr Arbeitnehmer gehen angesichts der schwachen Konjunktur unsichere Beschäftigungsverhältnisse ohne festen Vertrag und ohne Sozialversicherung ein. Dies ist nach Angaben des Statistikamtes INE einer der Gründe für den Rückgang der offiziellen Arbeitslosenrate, die in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres im Schnitt auf 6,1 Prozent sank, verglichen mit 6,2  im Zeitraum September bis November. Damit bewegt sich die Rate nahe dem Tiefstand vom Beginn des vergangenen Jahres. Ferner erklärt sich der Rückgang im vierten Quartal durch eine leichte Erhöhung der Beschäftigtenzahlen (0,2 Prozent) und eine unveränderte Zahl von Erwerbspersonen. Insgesamt wurden 2016 rund 80 000 neue Arbeitsplätze geschaffen; in den Boomjahren bei höheren Rohstoffpreisen waren es jährlich 200 000.   

Standard & Poor´s korrigiert „Outlook“ für Chile  

Die Rating-Agentur Standard & Poor´s hat den Ausblick für die Bonitätsnote Chiles von „stable“ auf „negative“ gesetzt; S & P bewertet das Land unverändert mit „AA-“. Die Agentur begründet den Schritt mit dem anhaltend schwachen Wachstum der Wirtschaft, was zu geringeren Steuereinnahmen, höheren Fehlbeträgen im Staatshaushalt und einem Anstieg der Verschuldung führen könnte. 2016 lag der Fehlbetrag im Staatshaushalt bei 2,9 Prozent des BIP; S & P rechnet allerdings mit einem nur leichten Anstieg des Defizits auf 3 Prozent in diesem Jahr. Gleichwohl geht die Agentur davon aus, dass der Regierung eine Konsolidierung der öffentlichen Finanzen gelingt und durch neue Investitionen das Wirtschaftswachstum in Gang kommt.  

Autoindustrie erwartet höhere Absatzzahlen 

Der chilenische Verband der Autoindustrie (ANAC) erwartet in diesem Jahr eine Steigerung der Verkaufszahlen von PKW um 3 Prozent auf 314.500 Fahrzeuge. Bereits im vergangenen Jahr waren die Verkäufe von Neuwagen um 8,3 Prozent gestiegen. Die positive Prognose beruht auf der Erwartung, dass sich die Wirtschaft des Landes in diesem Jahr leicht erholt und das Vertrauen der Konsumenten wieder steigt. Bei Lastkraftwagen erwartet der Verband nach einem Rückgang der Verkaufszahlen um 10,4 Prozent im vergangenen Jahr eine Steigerung um 3,4 Prozent.