Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 1. Juni 2017

06.06.17 Aktuelles

Bergbaustreik bremst das Wachstum.

Die chilenische Wirtschaft ist nach Angaben der Zentralbank im ersten Quartal mit der niedrigsten Rate seit der Finanzkrise im Jahr 2009 gewachsen. Das BIP stieg im Vergleich zum vierten Quartal 2016 saisonbereinigt um 0,2 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresquartal ergab sich ein leichtes Plus von 0,1 Prozent, damit fiel das Wirtschaftswachstum noch niedriger aus als die am Konjunkturindikator IMACEC orientierte vorläufige Angabe von 0,2 Prozent. Die Entwicklung im ersten Quartal war belastet durch einen sechs Wochen andauernden Streik der Arbeiter im Kupferbergbau. Nach Einschätzung der Zentralbank konnte eine Rezession nur durch höhere öffentliche Ausgaben vermieden werden, die im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,9 Prozent angehoben wurden. Da sich die Bergbauproduktion nach Ende des Streiks langsam wieder normalisiert, erwarten wir für das zweite Quartal eine Belebung der Konjunktur. 

Deutlicher Rückgang der Industrieproduktion im April 

Die Industrieproduktion ist im April im Vergleich zum Vorjahresmonat überraschend deutlich gesunken: Laut Mitteilung des Statistikamtes INE sanken die Fertigungszahlen um 7,5 Prozent; dies war der stärkste Rückgang seit August 2014. Analysten hatten im Mittel mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. Neben Kalendereffekten – drei Arbeitstage weniger als im Vorjahresmonat – war laut INE die geringere Weinernte eine der Hauptursachen für den Produktionsrückgang. Ungünstigere Witterungsbedingungen beeinträchtigten den Weinanbau sowie die Ernte landwirtschaftlicher Nahrungsmittel. Insgesamt sank die Herstellung alkoholischer Getränke im Vorjahresvergleich um 15,7 Prozent. Darüber hinaus meldete der Kupferbergbau einen Rückgang der Förderung um 1,8 Prozent. Als Folge der rückläufigen Industrieproduktion dürfte die chilenische Wirtschaft im April insgesamt leicht geschrumpft sein. 

Zentralbank senkt erneut den Leitzins 

Wie erwartet (LFM vom 16. 5.) hat die Notenbank im Mai eine weitere Kürzung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent beschlossen. Die Mehrzahl der Analysten hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine weitere Kürzung der TPM-Rate erwartet, nachdem die Bank bereits im März und April den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte gesenkt hatte. Neben der niedrigen Inflationsrate, die sich innerhalb des Zielkorridors bewegt, dürfte das enttäuschend geringe Wirtschaftswachstum im ersten Quartal von nur 0,1 Prozent die Zinsentscheidung beeinflusst haben. Auf dem derzeitigen Niveau dürfte der Zins bis Jahresende bleiben.