Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 1. September 2017

04.09.17 Aktuelles

Wachstumsbelebung im zweiten Quartal

Die chilenische Wirtschaft ist im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozent gewachsen, bei drei Arbeitstagen weniger als im Vergleichszeitraum. Höhere Ausgaben des Staates und eine steigende Nachfrage der privaten Haushalte trugen im Wesentlichen zur Belebung der Konjunktur bei. Insgesamt stieg die Binnennachfrage um 3,9 Prozent (Haushalte 2,6 Prozent, Staat 2,7 Prozent). Dagegen sanken die Investitionen um 4,1 Prozent; die Exporte gingen um 3,5 Prozent zurück. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein schwaches Wachstum der Wirtschaft um 0,5 Prozent. Trotz schwacher Konjunktur ist die Arbeitslosenrate in den drei Monaten Mai bis Juli überraschend auf 6,9 Prozent gesunken, Marktbeobachter hatten einen Anstieg auf 7,1 Prozent erwartet. Der Rückgang ist nach Einschätzung von Analysten auf ein geringeres Wachstum der Erwerbspersonen bei einer Erhöhung der Beschäftigung um 2,2 Prozent zurückzuführen. 

Bauwirtschaft im ersten Halbjahr geschrumpft 

Nach Angaben des Verbandes der Bauwirtschaft sind die Aktivitäten des Sektors im ersten Halbjahr um 5,1 Prozent geschrumpft, im Juni sank der Index der Bauwirtschaft um 5 Prozent. Damit verzeichnete die Branche im zehnten Monat in Folge einen Rückgang. Für das zweite Halbjahr erwartet der Verband im Zuge einer allgemeinen Konjunkturbelebung einen Anstieg der Baumaßnahmen. Nach Angaben des Verbandes sind die Bauanträge bereits im Juni um 5,8 Prozent gestiegen, damit könnte sich der bisherige negative Trend langsam umkehren. 

Moody´s setzt Rating-Ausblick auf negativ 

Wenige Tage nachdem die Rating-Agentur Fitch die Bonitätsnote Chiles von „A+“ auf „A“ gesenkt hatte, nahm die Agentur Moody´s den Ausblick für die Risikoeinstufung des Landes mit „Aa3“ von stabil auf negativ zurück. Moody´s begründetet die Entscheidung mit dem schwachen Wachstum der Wirtschaft als Folge geringerer Kupferpreise, sinkender Produktivität und einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen. Ferner habe sich die Anfälligkeit der chilenischen Wirtschaft gegenüber externen Schocks durch die steigende Auslandsverschuldung im Unternehmenssektor erhöht.  

Leitzins unverändert  

Die chilenische Notenbank hat ihren Leitzins im August erwartungsgemäß unverändert bei 2,5 Prozent belassen. Im ersten Halbjahr hatte die Bank den Zinssatz um 100 Punkte gesenkt, um der Konjunktur notwenige Impulse zu geben. Nach Angaben der Bank werde sich die Zinsentwicklung weiterhin an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und den Inflationserwartungen des Marktes orientieren. Bis Ende des Jahres rechnen wir mit einer weiteren Leitzinssenkung um 25 Basispunkte.