Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 16. Februar 2017

22.02.17 Aktuelles

Handel und Dienstleistungen tragen das Wachstum.

Der Konjunkturindikator (Imacec) der chilenischen Zentralbank, der die Entwicklung des BIP weitgehend abbildet, verzeichnete im Dezember einen Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,2 Prozent. Dabei meldeten der Handel und der Dienstleistungssektor positive Veränderungen, während die Produktion im Bergbau und in der verarbeitenden Industrie erneut schrumpfte. Der Bergbau sank wegen geringerer Preise für Kupfer sowie als Folge von Wartungsarbeiten und Produktionsunterbrechungen im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen im Vorjahresvergleich um 3,0 Prozent. Dagegen wuchs die übrige Wirtschaft um 1,6 Prozent, wozu nach Angaben der Zentralbank insbesondere der Handel und der Dienstleistungssektor beitrugen. Für das Gesamtjahr 2016 ergibt sich damit eine vorläufige Wachstumsrate der chilenischen Wirtschaft von 1,5 Prozent. Die Wirtschaftsdaten werden am 20. März veröffentlicht. Das schwache Wachstum des vergangenen Jahres ist neben der geringeren Bergbauproduktion auf den Rückgang der Investitionen zurückzuführen. Im ersten Quartal 2017 dürfte sich die Wachstumsschwäche unter anderem wegen der Schäden, die durch die Waldbrände entstanden sind, noch fortsetzen. Nach Regierungsangaben belaufen sich die Kosten für den Wiederaufbau von Häusern und Wohnungen sowie für Nothilfen auf rund 333 Millionen Dollar. Die Finanzierung wird laut Finanzminister Valdés durch Umschichtungen im Haushalt in Höhe von 100 Millionen Dollar und den Rückgriff auf Reservefonds erfolgen. Der Verband der Forstwirtschaft hatte zuvor bereits die Schäden an den Anpflanzungen auf 350 Millionen Dollar beziffert (s. LFM vom 1. Februar).  

Geschäftsklima bleibt eingetrübt 

Laut einer Untersuchung der Zentralbank wird sich das Geschäftsklima im gesamten Jahr 2017 nicht merklich aufhellen. Die Mehrzahl der befragten Unternehmen und Analysten erwartet, dass sich das Konjunkturbild wegen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sowie unzureichender Investitionen in diesem Jahr kaum vom Jahr 2016 unterscheiden wird. Viele erwartet erst im Jahr 2018 eine spürbare Erholung der Wirtschaft. 

Preisanstieg im Januar beschleunigt - Notenbank deutet weitere Zinssenkung an 

Die Konsumentenpreise sind im Januar stärker gestiegen als erwartet, der Preisindex kletterte um 0,5 Punkte auf eine Jahresrate von 2,8 Prozent. Marktbeobachter hatten für den Januar eine Rate von nur 0,2 Prozent prognostiziert. Die Kerninflation stieg im vergangenen Monat ebenfalls um 0,5 Prozent, sodass die Preisentwicklung nicht auf Komponenten mit stärker schwankenden Preisen zurückgeführt werden kann. Gleichwohl bleibt die Inflationsrate im unteren Bereich des Zielbandes der Notenbank. Nachdem die Bank im Januar mit einer ersten Zinssenkung seit über zwei Jahren eine Zinswende einleitete, hatten Marktbeobachter bereits in diesem Monat einen weiteren Zinsschritt erwartet. Mit Blick auf die unerwartete Beschleunigung der Preisentwicklung im Januar beließ die Notenbank ihren Leitzins am Dienstag dieser Woche zunächst noch unverändert bei 3,25 Prozent. Aus dem Kommuniqué der Bank zur Zinsentscheidung geht allerdings hervor, dass man eine weitere Lockerung der Geldpolitik für erforderlich hält, um der lahmenden Konjunktur notwendige Impulse zu geben. Im März erwarten wir eine Zinssenkung um 25 Basispunkte.  

Hoher Exportüberschuss im Januar - Kupferpreis leicht erholt 

 Als Folge höherer Kupferausfuhren konnte Chile im Januar im dritten Monat in Folge einen Überschuss in der Handelsbilanz erzielen, obwohl die Einfuhren ebenfalls deutlich anzogen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Ausfuhren um 8,8 Prozent auf 5,53 Milliarden Dollar. Dabei konnten die Kupferausfuhren als Ergebnis höherer Weltmarktpreise wertmäßig um 14 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar zulegen. Nach Ankündigung einer expansiveren Konjunkturpolitik durch den neuen US-Präsidenten sowie als Ergebnis höherer Nachfrage aus China konnte sich der Kupferpreis, der im Herbst letzten Jahres auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen war, in den letzten Wochen deutlich erholen. Die staatliche chilenische Kupferkommission hob die Prognose für den durchschnittlichen Kupferpreis in diesem Jahr auf 2,40 Dollar/Pfund an. Darüber hinaus rechnet die Kommission mit einer Steigerung der Produktion um 4,3 Prozent auf 5,79 Millionen Tonnen in diesem Jahr. Die Einfuhren stiegen im Vorjahresvergleich um 13,4 Prozent auf 4,81 Milliarden Dollar. Die Notenbank erwartet im laufenden Jahr einen Überschuss im Außenhandel von 4 Milliarden Dollar, verglichen mit 4,56 Milliarden im vergangenen Jahr. 

Peso fester nach Kupferpreisanstieg  

Der chilenische Peso konnte sich in den letzten Tagen als Folge steigender Kupferpreise weiter festigen. Seit Beginn des Jahres legte die Währung gegenüber dem Dollar um 5 Prozent zu. Die Erholung des Kupferpreises, der in zwischen auf den höchsten Stand seit Juni 2015 kletterte, ist auf eine günstigere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft zurückzuführen sowie auf die Gefahr einer Verknappung des Metalls, da die Kupfermine Escondida, die größte der Welt, seit über einer Woche bestreikt wird.