Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 16. Januar 2018

17.01.18 Aktuelles

Wachstumsschub im November - Niedrigste Inflationsrate seit sechs Jahren - Exportüberschuss steigt auf Sechs-Jahres-Hoch - Investitionsstandort Chile zu schlecht bewertet?

 

Die chilenische Wirtschaft ist im November überraschend deutlich gewachsen: Der
Konjunkturindikator Imacec kletterte im Vergleich zum Vorjahresmonat um
3,2 Prozent. Dies war die höchste Rate seit fast zwei Jahren. Der Bergbau
verzeichnete ein Plus von 2,9 Prozent, während die übrige Wirtschaft, Handel,
Dienstleistungen und verarbeitendes Gewerbe um 3,2 Prozent expandierten. Das
kräftige Wachstum im November dürfte auch die Notenbank überrascht haben, die
Mitte Dezember noch eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt hatte.
Für den Dezember rechnet die Notenbank mit einer Wachstumsrate zwischen 2 und
3 Prozent; für das Gesamtjahr 2017 würde sich dann eine Wachstumsrate des BIP
von 1,4 Prozent ergeben. Unterstützt durch die niedrige Vergleichsbasis des
Vorjahres dürfte sich der Aufwärtstrend in den kommenden Monaten fortsetzen.
Für das erste Quartal 2018 rechnen wir mit einer Wachstumsrate des BIP von rund
3 Prozent.

Niedrigste Inflationsrate seit sechs Jahren

Die Konsumentenpreise stiegen im vergangenen Jahr mit der geringsten Rate seit
fünf Jahren; der entsprechende Index kletterte im Vergleich zum Vorjahr um
2,3 Prozent. Damit blieb die Teuerungsrate im unteren Bereich des Zielkorridors der
Notenbank von 2 bis 4 Prozent. Der geringe Preisdruck ist nach Darstellung des
Statistikamtes INE auf die schwache Binnennachfrage sowie auf den zuletzt
erstarkten Peso zurückzuführen, wodurch die Preise für Importgüter weniger stark
zulegten. Im November und Dezember waren die Preise um jeweils nur 0,1 Prozent
gestiegen.

Exportüberschuss steigt auf Sechs-Jahres-Hoch

Dank einer höheren Kupferausfuhr kletterte der Außenhandelsüberschuss im
vergangenen Jahr mit 6,9 Milliarden Dollar auf den höchsten Wert seit sechs Jahren.
Im Dezember belief sich der Überschuss auf 1,057 Milliarden Dollar, dies war der
höchste Wert in einem Monat seit drei Jahren. Insgesamt stiegen die Ausfuhren im
vergangenen Jahr rum 13 Prozent auf 68 Milliarden Dollar, die Hälfte davon entfiel
auf die Ausfuhr von Kupfer, die im Vorjahresvergleich um über 20 Prozent stieg und
mit 3,8 Milliarden Dollar den höchsten Wert seit drei Jahren erreichte. Die Importe
nahmen als Folge einer leichten Belebung der Nachfrage im Vorjahresvergleich um
11 Prozent zu.

Investitionsstandort Chile zu schlecht bewertet?

Während der vorangegangenen Amtszeit des gewählten Staatspräsidenten
Sebastián Piñera (2010 bis 2014) konnte sich Chile in dem von der Weltbank jährlich
veröffentlichten internationalen Ranking der Investitionsstandorte bis auf Platz 34
stetig verbessern. Während der anschließenden Bachelet-Regierung rutschte Chile
im internationalen Vergleich immer weiter ab; zuletzt lag das Land nur noch auf
Position 55, obwohl sich die Investitionsbedingungen nicht verschlechtert hatten.
Die noch bis März amtierende Staatspräsidentin vermutet, dass die Weltbank Chile
wegen der sozialistischen Regierung bewusst niedriger einstufte. Die Weltbank
entschuldigte sich inzwischen für den entstandenen „falschen Eindruck“ und
begründete die ungünstigere Bewertung Chiles mit einer Änderung der
Bewertungsmethode. Dennoch sollen die Bewertungen der vergangenen vier Jahre
überprüft und ggf. korrigiert werden.