Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 16. Juni 2017

28.06.17 Aktuelles

Zentralbank senkt Wachstumsprognose. OECD sieht Konjunktur am Wendepunkt.

Mit Blick auf die anhaltend schwache Konjunktur hat die Notenbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf eine Spanne von 1,0 bis 1,75 Prozent gesenkt, bisher lag die Prognose der Bank zwischen 1,0 und 2,0 Prozent. Um der Wirtschaft neue Impulse zu geben, nahm die Notenbank ihren Leitzins in den letzten Monaten um 100 Punkte auf 2,5 Prozent zurück. Laut Zentralbankpräsident Mario Marcel hält die Bank nach der letzten Zinssenkung zusätzliche monetäre Impulse für nicht erforderlich. Daher dürfte der aktuelle Leitzins zumindest bis Jahresende Bestand haben.  Nach Einschätzung der OECD ist die chilenische Konjunktur an einem Wendepunkt angelangt, nach Einschätzung der Organisation wird die Wirtschaft des Landes - gestützt durch steigende Exporte und höhere Kupferpreise - im kommenden Jahr um 2,8 Prozent wachsen. Darüber hinaus werde die Konjunktur durch einfachere Verfahren bei der Abwicklung von Exporten und günstigere Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen neue Impulse erhalten. Unterstützt werde die Entwicklung durch höhere staatliche Ausgaben für Bildung und Gesundheitsvorsorge. 

Bankenaufsicht soll modernisiert werden - Regierung plant Übernahme von Basel-III-Richtlinien 

Die chilenische Regierung hat dem Kongress einen Gesetzesvorschlag zugeleitet, der darauf abzielt, die Regulierung des Bankensektors zu modernisieren, indem die Eigenkapitalregeln übernommen werden, die der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht aufgestellt hat (Basel III). Auf diese Weise soll die Transparenz im Bankensektor verbessert und die Institute durch Verbesserung der Eigenkapitalqualität gestärkt werden. Nach Angaben der Regierung werden die Institute ausreichend Zeit erhalten, um die erforderlichen Anpassungen umzusetzen. Die Notenbank hatte in diesem Monat zwar darauf hingewiesen, dass sich der Finanzsektor zwar in einer stabilen Verfassung befinde, dass aber bei einer länger anhaltenden Phase niedrigen Wirtschaftswachstums die Kreditrisiken im Bankensektor steigen könnten. 

Inflation sinkt auf niedrigsten Wert seit vier Jahren 

Bedingt durch die schwache Konjunktur hat sich die Preisentwicklung im Mai weiter verlangsamt. Der Index der Konsumentenpreise stieg im Vergleich zum April um 0,1 Prozent. Die Jahresrate der Inflation sank mit 2,6 Prozent auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Damit ist die Talsohle der Preisentwicklung vermutlich bald erreicht, mit der sich abzeichnenden leichten Erholung der Konjunktur und wieder steigender Nachfrage dürfte sich auch die Preisentwicklung wieder leicht beschleunigen. Gestern tagte die Notenbank, der Leitzins blieb erwartungsgemäß unverändert bei 2,5 Prozent. 

Staat begibt neue Anleihen 

Der chilenische Staat nutzte in dieser Woche die günstige Lage auf dem internationalen Kapitalmarkt, die durch niedrige Zinsen und eine hohe Nachfrage nach Anleihen aus Emerging Markets gekennzeichnet ist, für die Aufnahme neuer Mittel im Volumen von insgesamt 2,3 Milliarden Dollar. In einer ersten Transaktion stockte der Staat eine Euro-Anleihe mit Laufzeit bis 2030 um 700 Millionen Euro bei einer Rendite von 1,534 Prozent auf; die Emission war zweifach überzeichnet. Ferner begab Chile eine neue auf US-Dollar lautende Anleihe im Volumen von 1,243 Milliarden Dollar zu einem Zins von 3,869 Prozent; dieses Papier war fast sechsfach überzeichnet. Laut Finanzminister Valdés wurde mit den Emissionen des Staates auch für chilenische Unternehmen, die am internationalen Kapitalmarkt Mittel aufnehmen wollen, ein Referenzzins als Orientierungsgröße definiert. 

Hoher Exportüberschuss im Mai 

Der chilenische Außenhandel verzeichnet im Mai mit 723 Millionen Dollar den bisher höchsten Überschuss in diesem Jahr. Die Exporte stiegen im Vorjahresvergleich um 10,7 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Dabei erhöhten sich die Erlöse aus dem Kupferexport um 12 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Darin spiegeln sich eine langsame Normalisierung des Kupferbergbaus nach den Streiks im Februar und März sowie eine Erholung des Kupferpreises wider.  Die Einfuhren kletterten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,5 Prozent und erreichten mit 4,9 Milliarden Dollar ebenfalls den höchsten Stand in diesem Jahr. Nach Angaben der Zentralbank wurden vor allem Konsumgüter nachgefragt.