Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 16. Mai 2017

16.05.17 Aktuelles

Stagnation im ersten Quartal - Bergbaustreik lähmt das Wachstum

Der lange Streik im Kupferbergbau hat das Wachstum des gesamten ersten Quartals deutlich belastet, obwohl die chilenische Wirtschaft im März wegen höherer Produktion der verarbeitenden Industrie und einer leichten Belebung des privaten Konsums um 0,2 Prozent zulegen konnte. Der Konjunkturindikator (Imacec) der chilenischen Zentralbank, der die Entwicklung des BIP weitgehend abbildet, stieg nach vorläufigen Angaben im ersten Quartal nur geringfügig um 0,2 Prozent. Dies war die niedrigste Rate innerhalb eines Quartals seit der Finanzkrise im Jahr 2009. Saisonbereinigt ging die Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten des Jahres sogar um 0,4 Prozent zurück. Die offiziellen Zahlen, die von den vorläufigen Angaben nur unwesentlich abweichen dürften, werden am 18. Mai veröffentlicht. Nach Einschätzung lokaler Analysten konnte nur durch eine Ausweitung öffentlicher Ausgaben im März eine Rezession im ersten Quartal vermieden werden. 

Anzeichen einer Belebung am Immobilienmarkt  

Der Verkauf von Neubauwohnungen ist nach Angaben der chilenischen Bauindustrie im ersten Quartal um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Allerdings ist die Entwicklung wegen des niedrigen Vergleichswertes im Vorjahr zu relativieren, dennoch sieht die Branche hierin ein Signal für eine Belebung des Immobilienmarktes. Im ersten Quartal wurden insgesamt 7 324 Wohnungen verkauft, dabei handelte es sich mit einem Anteil von 80 Prozent überwiegend um Apartments. Der Verkaufswert stieg im Vorjahresvergleich um 45 Prozent, sodass die Immobilienpreise im Durchschnitt keine großen Steigerungen verzeichneten. 

Geringe Inflation öffnet Tür für weitere Zinssenkung 

Der Index der Konsumentenpreise kletterte im April wegen höherer Ausgaben für Nahrungsmittel im Rahmen der Erwartungen um 0,2 Prozent. Die Kerninflation erhöhte sich um 0,3 Prozent. Damit blieb die Jahresrate der Inflation im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 2,7 Prozent im unteren Bereich des Zielkorridors der Notenbank. Angesichts der schwachen Konjunktur könnte die Notenbank ihre Ankündigung wahr machen und den Leitzins anlässlich der nächsten Sitzung am Donnerstag dieser Woche auf 2,5 Prozent senken. Die Notenbank hat ihren Leitzins in diesem Jahr bereits dreimal auf derzeit 2,75 Prozent gesenkt und laut Protokoll der letzten Sitzung angesichts der begrenzten Inflation die Möglichkeit einer weiteren Senkung auf 2,5 Prozent offen gelassen. Darüber hinaus sieht die Zentralbank keinen Bedarf für stärkere monetäre Impulse. Laut Sebastián Claro, Vizepräsident der chilenischen Zentralbank, besteht keine Notwendigkeit, die monetären Zügel weiter zu lockern, um der Konjunktur zusätzliche Impulse zu geben, da sich das Szenario für eine Wachstumsrate zwischen 1 und 2 Prozent in diesem Jahr nicht verändert habe. Regierung und Zentralbank gehen davon aus, dass sich der Bergbau und die übrigen Sektoren im weiteren Verlauf des Jahres langsam erholen werden.