Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 17. Juli 2017

18.07.17 Aktuelles

Wachstum im Mai leicht beschleunigt. Regierung senkt Wachstumsprognose. S&P stuft Chile herab. Inflationsrate im Juni weiter gesunken. Geringerer Handelsbilanzüberschuss im ersten Halbjahr.

Gemessen am Imacec-Konjunkturindikator der Zentralbank ist die chilenische Wirtschaft im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,3 Prozent gewachsen. Verglichen mit den Vormonaten April (0,1 Prozent) und März (0,3 Prozent) ist dies ein erster Hinweis darauf, dass sich die Konjunktur langsam wieder belebt. Getragen wurde die Entwicklung von der verarbeitenden Industrie und dem privaten Konsum. Während die Produktion im Bergbau um 4,6 Prozent nachgab, konnte die übrige Wirtschaft um 1,9 Prozent zulegen. Für die ersten fünf Monate des Jahres ergibt sich damit eine Wachstumsrate von 0,4 Prozent, dies ist der schwächste Wert seit dem Jahr 2009. Die Regierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich zurückgenommen. Laut Finanzminister Valdés wurden die Auswirkungen des langen Streiks im Kupferbergbau auf das Wirtschaftswachstum unterschätzt, die Regierung erwartet nur noch eine Wachstumsrate von 1,5 Prozent in diesem Jahr; die bisherige Prognose lag bei 2,25 Prozent. 

S&P stuft Chile herab 

Die Rating-Agentur Standard & Poor´s hat die Bonitätsnote für Chile von „A+“ auf AA-“ abgestuft. Dennoch behält das Land die beste Bonitätsnote aller Länder der Region. Die Agentur begründete ihre Entscheidung mit der längeren Schwächeperiode der chilenischen Wirtschaft, die durch niedrige Preise für Kupfer, schwächeren Konsum und geringere Investitionen bedingt ist. Das schwache Wachstum belastet die Einnahmeseite der Staatsfinanzen und hätte zu einer Erhöhung der öffentlichen Verschuldung geführt. Nach Einschätzung der Agentur ist die Gefahr externer Schocks für die chilenische Volkswirtschaft leicht gestiegen. Die Agentur erwartet, dass sich die Konjunktur langsam erholt und die Staatsfinanzen sich weiter konsolidieren, daher blieb der Ausblick für die Bonitätsnote auf „stable“.

Inflationsrate im Juni weiter gesunken -  Zentralbank hält Leitzins bei 2,5 Prozent

Die Konsumentenpreise sind im Juni überraschend deutlich um 0,4 Prozent gesunken, Marktbeobachter hatten einen geringeren Rückgang der Preise um 0,1 Prozent erwartet. Die Jahresrate der Inflation fiel auf 1,7 Prozent, sie liegt damit unterhalb des Zielkorridors der Notenbank von 2 bis 4 Prozent. Dennoch beließ die Notenbank am Donnerstag vergangener Woche die TPM-Rate unverändert bei 2,5 Prozent. In ihrer Begründung zur Zinsentscheidung bezeichnete die Bank den Rückgang der Preise im Juni als eine kurzfristige Entwicklung. Die von der Notenbank befragten Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass der Leitzins bis Ende dieses Jahres konstant bleibt. Sollten die Inflationserwartungen des Marktes in den kommenden Monaten weiter sinken, halten wir noch vor dem Jahresende eine weitere Leitzinssenkung für möglich. 

Geringerer Handelsbilanzüberschuss im ersten Halbjahr 

Mit 59 Millionen Dollar verzeichnete die Handelsbilanz im Juni einen geringfügigen Überschuss. Exporte und Importe lagen mit rund 5,2 Milliarden Dollar in ähnlicher Größenordnung. Dabei verzeichneten die Exporte wegen höherer Erlöse aus dem Kupferexport im Vorjahresvergleich einen Anstieg um 12,8 Prozent. Als Folge höherer Preise und einer Normalisierung der Produktion konnte die Kupferausfuhr um 28 Prozent zulegen. Durch eine leichte Belebung der Binnennachfrage nahmen die Einfuhren um 21 Prozent zu. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein Anstieg der Exporte um 6 Prozent auf knapp 32 Milliarden Dollar, während die Importe um 12,3 Prozent auf 29,5 Milliarden zulegten. Der Überschuss im Außenhandel blieb im ersten Halbjahr mit knapp 2,5 Milliarden Dollar deutlich unter dem Vergleichswert des Vorjahres (3,9 Milliarden Dollar).