Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 18. April 2017

18.04.17 Aktuelles

Wachstumseinbruch nach Minenstreik

Gemessen am Konjunkturindikator IMACEC der Zentralbank ist die chilenische Wirtschaft im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 Prozent geschrumpft. Dies war der stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung seit der Finanzkrise im Jahr 2009. Der Einbruch der Konjunktur ist vor allem auf den langen Streik der Minenarbeiter zurückzuführen: Die Produktion der Kupfermine Escondida sank im März um 17 Prozent. Die übrige Wirtschaft verzeichnete ein leichtes Plus von 0,2 Prozent. Darüber hinaus wurde die Entwicklung durch saisonale Faktoren und die Schäden in der Forstwirtschaft als Folge der heftigen Waldbrände belastet. Der Bergarbeiterstreik dürfte sich auch auf das Ergebnis im März ausgewirkt haben, so dass wir mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik rechnen.

Inflation im März unverändert 

Der Index der Konsumentenpreise stieg im März um 0,4 Prozent und blieb damit leicht unter den Erwartungen des Marktes. Sieben der insgesamt zwölf Rubriken wiesen Preiserhöhungen auf. Die Ausbildungskosten verzeichneten mit 4,3 Prozent den höchsten Anstieg, Nahrungsmittel verteuerten sich um 0,5 Prozent, Transportkosten gingen um 1,2 Prozent zurück. Die Jahresrate der Inflation blieb im vergangenen Monat unverändert bei 2,7 Prozent. 

Zentralbank senkt Wachstumsprognose für 2017 - Leitzins sinkt auf niedrigsten Stand seit Oktober 2010 

Wie erwartet, hat die Notenbank wegen der anhaltenden Wachstumsschwäche der chilenischen Wirtschaft sowie als Folge des langen Streiks im Kupferbergbau und der Produktionsausfälle ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr gesenkt. Die Bank bezifferte den negativen Effekt des Streiks für das Wirtschaftswachstum auf 0,2 Prozentpunkte und nahm die BIP-Prognose um einen halben Prozentpunkt auf eine Spanne von 1 bis 2 Prozent zurück. Wie erwartet, hat die Notenbank am Donnerstag vergangener Woche eine weitere Senkung des Leitzinses beschlossen und die Rate um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent gesenkt. Damit liegt der Zinssatz auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2010. Die Bank begründete ihre Entscheidung mit der anhaltenden Schwäche von Produktion und Konsumnachfrage. Bereits im März hatte die Bank den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent gesenkt und weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen. Im zweiten Halbjahr erwartet die Bank unter anderem als Folge der monetären Lockerung eine moderate Belebung der wirtschaftlichen Aktivitäten.  

Hohes Importwachstum im ersten Quartal

Chile verzeichnet im März einen Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 290 Millionen Dollar, der sich vor allem durch höhere Exporte industrieller Güter erklärt, während die Kupferausfuhren bedingt durch einen langen Streik geringer ausfielen. Die Ausfuhren stiegen im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,2 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Überdurchschnittlich erhöhten sich die Exporte industrieller Produkte um 10 Prozent, während die Ausfuhren des Agrarsektors um 2,9 Prozent zulegten. Die Importe verzeichneten im vergangenen Monat einen Anstieg um 11 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar, der im Wesentlichen auf höhere Einfuhren von Maschinen und Ausrüstungen zurückzuführen ist. Die Regierung sieht darin erste Anzeichen für eine leichte Konjunkturerholung. Im ersten Quartal stiegen die Exporte um 4,5 Prozent, die Einfuhren legten um 12,2 Prozent zu. Für die ersten drei Monate des Jahres ergibt sich damit ein Exportüberschuss von 1,2 Milliarden Dollar, verglichen