Lateinamerika Finanzmarkt-Monitor vom 3. April 2017

05.04.17 Aktuelles

Ex-Präsident Piñera tritt erneut zur Wahl an.

Der frühere chilenische Staatspräsident Sebastían Piñera (2010-2014) will sich nochmals um das Präsidentenamt bewerben. In der vorvergangenen Woche erklärte er offiziell seine Kandidatur für die Wahlen am 19. November dieses Jahres. Die Vorwahlen der Konservativen finden am 2. Juli statt; in den Umfragen kommt Piñera derzeit auf eine Zustimmungsrate von 25 Prozent.  

BIP-Wachstum sinkt 2016 auf 1,6 Prozent  

Das Wachstum der chilenischen Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr auf 1,6 Prozent abgeschwächt, wobei sich die Produktion im vierten Quartal wegen geringerer Investitionen und schwächerer Exporte saisonbereinigt leicht verringerte. Im Vorjahresvergleich konnte das BIP im vierten Quartal um 0,5 Prozent zulegen. Nach Angaben der Zentralbank wurde die Entwicklung vor allem vom Dienstleitungssektor getragen, während der Bergbau, die verarbeitende Industrie und die Fischerei Rückgänge verzeichneten. Die Wachstumsrate für das dritte Quartal wurde von 1,6 auf 1,8 Prozent nach oben korrigiert. Die Zentralbank erwartet im laufenden Jahr eine Wachstumsrate des BIP zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Marktbeobachter gehen allerdings davon aus, dass die Bank ihre Prognose leicht nach unten revidieren wird. Das Defizit in der Leistungsbilanz beziffert die Zentralbank mit 3,5 Milliarden Dollar, bzw. 1,4 Prozent des BIP. 

Arbeitslosenrate steigt weiter 

Die Arbeitslosenrate stieg als Folge der schwachen Konjunktur in den drei Monaten bis Ende Februar auf 6,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Am stärksten stiegen die Arbeitslosenzahlen im Agrarsektor, die niedrigsten Zuwächse verzeichneten die Sektoren Handel und Ausbildung. Bisher hatte sich der Arbeitsmarkt trotz Wachstumsschwäche als relativ stabil erwiesen, in den kommenden Monaten könnte die Rate weiter ansteigen, da weniger neue Arbeitsplätze entstehen werden. 

Bergarbeiterstreik dämpft Industriewachstum 

Die Industrieproduktion ging im Februar wegen geringerer Kupfererzeugung und einer schwächeren Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Im Vergleich zum Januar sank die Produktion um 0,2 Prozent. Durch den 43 Tage anhaltenden Streik der Minenarbeiter in der größten Kupfermine des Landes sank die Bergbauproduktion um 16 Prozent und im Vergleich zum Januar um 9,9 Prozent. Die Fertigungszahlen der verarbeitenden Industrie gingen um 1,0 Prozent zurück, wobei der Rückgang geringer ausfiel als erwartet; Marktbeobachter hatten ein Minus von 2,7 Prozent prognostiziert. Im Vergleich zum Januar konnte die Produktion um 3,0 Prozent zulegen. Die Versorger (Strom, Gas, Wasser) meldeten einen Rückgang der Produktion um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und um 0,9 Prozent gegenüber Januar. Der sinkende Energieverbrauch des Landes ist ein weiterer Hinweis auf die anhaltende Schwäche der chilenischen Konjunktur. 

Zentralbank senkt Leitzins auf 3 Prozent 

Erwartungsgemäß hat die chilenische Zentralbank ihren Leitzins im März um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent gesenkt. Die Bank begründete die Entscheidung mit der schwachen Konjunktur, die im ersten Quartal zusätzlich durch einen langen Streik im Bergbausektor und Schäden durch schwere Waldbrände belastet wurde. Gleichzeitig gab die Bank bekannt, dass weitere monetäre Lockerungen wegen des aktuellen Konjunkturtrends und sinkender Inflationserwartungen erforderlich sein könnten.