Wirtschaftsausblick Winter 2016/17 - Chile

10.01.17 Aktuelles, Bergbau, Energie & Nachhaltigkeit, Industrie

2017 soll die Trendwende einläuten / Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Der private Verbrauch, Infrastrukturmaßnahmen und Investitionen ausländischer Unternehmen sollen der Konjunktur in Chile auf die Sprünge helfen. Das für 2017 geplante staatliche Ausgabenwachstum ist für chilenische Verhältnisse jedoch bescheiden. Bei den Kommunalwahlen, ein Stimmungstest für die Parlamentswahlen 2017, hat die Regierungskoalition eine knappe Niederlage eingesteckt, so dass es 2017 spannend wird. 

Wirtschaftsentwicklung: Sparhaushalt 2017 vorgelegt

Das Wachstum des chilenischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte 2016 etwa 1,7% erreichen. Für 2017 und 2018 ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit 2,5 beziehungsweise 2,6% optimistischer. Wegen der gesunkenen Exporteinnahmen durch den Verfall der Rohstoffpreise sieht sich die Regierung unter Michelle Bachelet gezwungen, die Ausgaben 2017 im Vergleich zu 2016 nur um 2,7% zu steigern. Es ist die geringste Steigerung der letzten 20 Jahre und steht im Gegensatz zu 4,2% im laufenden Jahr. Die Notenbank will die Inflation in den nächsten zwölf Monaten leicht drücken auf dann 3,0%. Zum Jahresende 2016 lag sie bei 3,6%.

Der Anteil der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) am BIP wird 2016 laut der Prognosen von Consensus Economics 2016 nur noch 6,9% ausmachen, nachdem schon 2015 weniger zugeflossen war. Die Regierung reagiert darauf mit neuen Förderinstrumenten.

Nach dem überraschenden und für die Regierung enttäuschenden Wahlergebnis bei den Kommunalwahlen im Oktober 2016 kündigte Präsidentin Bachelet Umbesetzungen in ihrem Kabinett an. Rund 38,5% der Wähler hatten sich für Kandidaten der rechten Oppositionskoalition Vamos Chile entschieden und 37,1% für die Regierungsallianz Nueva Mayoría. Offensichtlich werteten die Finanzmärkte diese Niederlage als Vorzeichen für einen baldigen Regierungswechsel. Am Tag nach der Wahl verzeichnete der chilenische Peso den höchsten Kursgewinn seit Anfang September. Die nächsten Präsidentschaftswahlen finden am 19.11.17 statt.

Investitionen: Infrastrukturprojekte und FDI sollen Impulse setzen

Die chilenische Zentralbank rechnet damit, dass die Bruttoanlageinvestitionen 2016 wie im Vorjahr um 1,5% sinken. Erst 2017 soll mit einem Anstieg von 0,7% das Ende der Talfahrt erreicht sein.

Die sozialdemokratische Regierung Chiles will den Schwerpunkt auf Bildung, Gesundheitspolitik und - generell - Investitionen setzen. Im 2. Halbjahr 2016 kündigte Infrastrukturminister Alberto Undurraga die Ausschreibung von sieben Großprojekten mit einem Investitionsvolumen von insgesamt über 2 Mrd. US$ an. So sind Straßen, Tunnel sowie der Bau oder die Modernisierung von Flughäfen geplant. Am weitesten fortgeschritten ist der Tunnel "Agua Negra" als Teil des länderübergreifenden Projektes "Corredor Bioceánico" zur Straßen- und Schienenverbindung zwischen der Pazifik- und Atlantikküste. Die Projektvergabe ist für 2017 geplant, wobei die Gewinner auch Konzessionen für den Betrieb erhalten sollen.

Zusammen mit der Exportagentur ProChile, der Industrieförderung Corfo, der Stiftung Imagen de Chile und anderen Partnern wirbt die 2016 neu gegründete staatliche Agentur InvestChile für den Standort Chile. Im Fokus stehen dabei Firmen aus den Sektoren Logistik, Energie, Lebensmittelindustrie und Tourismus sowie Bergbau-Zulieferer.

Konsum: Noch nicht durch den angespannten Arbeitsmarkt beeinträchtigt

Der private Verbrauch erweist sich als Stütze der Konjunktur, wenn sich die Prognosen der OECD bewahrheiten: Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr soll demnach 2016 bis 2018 um gut 2% zulegen. Es gibt jedoch auch pessimistisch stimmende Indikatoren. Der Produktionsrückgang in den Schlüsselbranchen verarbeitende Industrie und Bergbau erhöht die Arbeitslosenquote (Juli 2016: 7,1%). Es werden wenig neue Stellen geschaffen.

Außerdem sind viele Chilenen nach dem Renteneintritt knapp bei Kasse. Sie beziehen durchschnittlich 38% ihres früheren Lohns, Frauen sogar nur 28%. Damit müssen über 90% der Ruheständler mit etwa 200 Euro monatlich auskommen - in einem Land, das teurer ist als die Nachbarländer. Im November 2016 endete ein Streik der Beschäftigten im öffentlichen Dienst erst, nachdem das Parlament einer Gehaltsanpassung um 3,2% zugestimmt hatte. Wegen anhaltender Proteste gegen das private Rentensystem kündigte Präsidentin Bachelet weitere Erhöhungen an.

Außenhandel: Deutsche Lieferanten legen trotz des schwierigen Szenarios zu

Die schwache Binnenkonjunktur zieht die Importe 2016 nach unten. Die OECD schätzt den Rückgang auf 1,7%. In den beiden nächsten Jahren sollen die Einfuhren wieder um jährlich rund 2% steigen. Die Importe brachen 2015 um 13% ein, noch härter traf es die Exporte mit -17%. Nur noch 50% der Ausfuhreinnahmen entfallen auf den Motor der chilenischen Wirtschaft, den schwächelnden Bergbau. Dadurch ist die Handelsbilanz zwar immer noch positiv, aber der Überschuss hat sich auf 322 Mio. US$ reduziert

Deutschlands Anteil am Einfuhrwert wird 2016 vermutlich ähnlich wie 2015 bei 3,8% liegen. Auffällig war, dass sowohl Deutschland als auch die Europäische Union 2015 trotz der Rezession wieder deutlich mehr Waren nach Chile geliefert haben (jeweils +13%).

Als Anhänge finden Sie eine Übersicht über ausgewählte Projekte, eine Grafik der wirtschaftlichen Entwicklung Chiles 2015 bis 2017, die wirtschaftlichen Eckdaten Chiles sowie eine Übersicht über den Außenhandel des Landes. 

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: