“Zeigt euch, und sprecht laut und deutlich”

María Luisa Lozano Lorenzini, Firmengründerin und CEO Asgreen Ingeniería Sustentable

María Luisa Lozano Lorenzini war 32, als sie sich selbständig machte und mit einer Beratungsfirma für Energieeffizienz in eine Männerdomäne einstieg. Ihr Rat für Firmengründerinnen: “Zeigt euch, und sprecht laut und deutlich.”

Die Chemieingenieurin hatte sechs Jahre Berufserfahrung, als sie Asgreen Ingeniería Sustentable gründete. Die Firma bietet Dienstleistungen im Bereich Energieeffizienz für  Industrieprojekte in der Planungsphase genauso wie für Effizienzmaßnahmen in bereits bestehenden Produktionsprozessen an, die zudem durch Schulungen im Energiemanagement ergänzt werden.

Neben einer Vertretung in Santiago ist der Hauptsitz von Asgreen in Curicó angesiedelt, eine Kleinstadt in der Region der Obstproduktion, die 200 Kilomenter südlich von Santiago liegt. In dem zentralistisch geprägten Land ist das eine ungewöhnliche Managemententscheidung. Doch die Rechnung ist für María Luisa Lozano aufgegangen: Nach sechs Jahren hat sie sich einen Namen in ihrer Branche gemacht, beschäftigt sechs festangestellte Ingenieure und setzt punktuell freie Berater für spezielle Aufträge ein. Der Umsatz von Asgreen ist jährlich um 50 Prozent gestiegen.



CAMCHAL:  Wie sind Ihre Erfahrungen als Frau in einer Branche, die von Männern beherrscht wird?
 
María Luisa Lozano: In meinem Bereich, in dem Business, Ingenieurswesen und Innovation zusammentreffen, bin ich fast immer die einzige Frau im Raum. Bestenfalls sind noch ein oder zwei Kolleginnen da. Nicht nur die Ingenieure sind fast alle Männer, sondern auch unsere Kunden, unsere Partner und meine Mitarbeiter. 

Die einzige Frau zu sein, war nie ein Hindernis für mich. Aber es gibt schon gewisse Schwierigkeiten. Zum Beispiel ist es schwer, Frauen zu finden, die anderen Frauen als Mentoren dienen. Sie stehen meist nicht an so exponierten Stellen wie die Männer.
 
Die andere Schwierigkeit ist die Anerkennung der Fähigkeiten, obwohl ich nicht genau sagen kann, ob es mehr mit dem Alter zu tun hat oder mit der Tatsache Frau zu sein. Es gibt ein gewisses Misstrauen, das erst überwunden wird, wenn sie dich näher kennenlernen.

CAMCHAL: Warum haben Sie Asgreen in der Provinz angesiedelt

María Luisa Lozano: Für mich persönlich war es ein großer Vorteil. In der Provinz ist die Lebensqualität bedeutend besser. Die Wege sind viel kürzer als in Santiago und man verliert nicht so viel Zeit mit bürokratischen Erledigungen. So bleibt mehr Zeit für die Familie und andere Aktivitäten. Und nicht zu vergessen, dass die Kosten in der Provinz niedriger sind. So war es unter dem Strich ein voller Erfolg. Wir haben sogar Kunden, die nicht gemerkt haben, dass wir nicht in Santiago arbeiten.

CAMCHAL: Was empfehlen Sie anderen Frau in ähnlichen Positionen?

María Luisa Lozano: Dass sie nicht aufgeben und dass sie sich zeigen. Dass sie laut und deutlich sprechen. Dass sie sich trauen, auch wenn sie meinen, nicht alle notwendigen Fähigkeiten zu vereinen. Und dass sie eine Mentorenrolle für junge Frauen übernehmen, die eines Tages in einer ähnlichen Position sein können.