“Wir haben eine kritische Masse erreicht”

Die Firma hydro.therm, Spezialistin für Geothermie

Sonne und Wind haben den Markt für regenerative Energien in Chile inzwischen
erobert. Geothermie hingegen steckt noch in den Anfängen. Die Firma hydro.therm ist
Pionier auf dem Gebiet der oberflächennahen Erdwärme. Sie sieht ein enormes
Potenzial und eine steigende Nachfrage, doch langer Atem ist Voraussetzung.
Die beiden deutschen Geologen Jens-Uwe Pietzsch und Dr. Roland Gaschnitz haben 2014 die Firma hydro.therm Chile Ltda. für oberflächennahe Geothermie gegründet. Sie stammen aus Nordrhein-Westfalen, wo beide eigene Firmen betreiben. Dr. Roland
Gaschnitz hat 2001 die Firma Aixotherm Geoenergien in Marl gegründet, die fünf
Mitarbeiter hat. Jens-Uwe Pietzsch ist seit 2009 Inhaber der Hydronik GmbH in Emmerich am Rhein, eine Ingenieurgesellschaft für technische Hydrogeologie, die Komplettlösungen im Brunnenbau, der Nutzung von Erdwärme, auf dem Umweltsektor und Baugrunduntersuchungen anbietet. Die Firma hat 20 Angestellte.

AHK: Herr Pietzsch, was hat Ihre Firmengründung in Chile motiviert?

Jens-Uwe Pietzsch:
mich in Bolivien engagieren, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen das im Moment nicht zu. In Chile hingegen sind die Marktbedingungen gut.
Ich interessiere mich schon länger für Lateinamerika. Ursprünglich wollte ich
Bietet Chile besonders gute Voraussetzungen für Erdwärme?
Es gibt natürlich Unterschiede in den Untergrundverhältnissen zwischen Deutschland und Chile.
Aufgrund von Vulkanismus trifft man in Chile eher auf Thermalgebiete. Sogar in Santiago gibt es Thermalquellen. Aber das ist nicht Ziel unserer Anwendungen. Wir beschäftigen uns mit Niedrigenthalpie-Geothermie, also mit oberflächennaher Erdwärme. Von Santiago in Richtung Norden gibt es viel grundwasserfreien Sand im Untergrund, der ist nicht ausreichend wärmeleitfähig, so macht das wirtschaftlich für unsere Anwendungen keinen Sinn. Aber in Santiago und im ganzen Süden des Landes rechnet sich oberflächennahe Erdwärme.

Welches sind Ihre potenziellen Kunden?

Überall, wo Wärme und Kälte benötigt wird, ist Geothermie eine sehr gute Option. Der potenzielle Markt ist groß – in der landwirtschaftlichen Produktion, zum Beispiel in der Trocknung von Früchten, in den Weinanbaubetrieben, in der Hotellerie, in großen Firmen- oder öffentlichen Gebäuden. Für Wohnhäuser rechnet es sich erst ab ca. 500 Quadratmeter Wohnfläche in Chile.

Was haben Sie bisher erreicht?

Das Interesse und die Nachfrage sind hier so groß, dass wir eine kritische Masse erreicht haben.
Wir haben zahlreiche Vorstudien gemacht, unter anderem für einen Weinanbaubetrieb, für ein Gebäude der Universidad de Chile und eine Tourismusanlage in Chiloé. Im vergangenen Dezember haben wir mit dem Exzellenzzentrum für Geologie CEGA, in dem die Universidad de Chile und die Universidad Católica zusammenarbeiten, ein Seminar für oberflächennahe Geothermie angeboten. Es war überlaufen.

Welche Hindernisse mussten Sie überwinden?

Chilenische Investoren wollen eine Amortisierung von maximal fünf bis sechs Jahren. Unsere Projekte amortisieren sich nach zwei bis acht Jahren. Nach dieser Zeit kommt 80 Prozent der Energie gratis aus der Erde. Etwa 20 Prozent muss für den Strom aufwenden, den die Wärmepumpe benötigt. Das andere Problem ist, dass negative Beispiele den Markt gefährden können. Wir haben hier Planungsfehler und mangelhafte Technik erlebt. So kann es passieren, dass die Quelle nicht ausreichend dimensioniert wird, und bei chinesischen Wärmepumpen ist die Technik nicht ausgereift. Damit sind Projekte zum Scheitern verurteilt. Man braucht schon einen
langen Atem hier.

Welche Strategien verfolgen Sie?

Wir setzen auf deutsches Know-how in der Planung und auf deutsche Technik. Die deutsche Wärmepumpen-Technologie gibt es seit über 40 Jahren. Das sind mittlerweile hocheffiziente
Geräte, die in Deutschland im großen Stil seit 15 Jahren auch in privaten Haushalten zum Heizen und Klimatisieren eingesetzt werden.
Oberflächennahe Geothermie ist jedoch keine „Plug-and-play-Lösung“. Jedes Projekt hat seine eigenen Bedingungen und muss sorgfältig geplant werden. Ein gutes Projekt braucht keine Subventionen, aber hocheffiziente Technologie und Fachwissen. Das ist in Chile derzeit noch Mangelware. Deshalb beteiligen wir uns am Know-how-Transfer. Wir wollten dazu eigentlich in Chile ein PPP-Projekt durchführen, aber seit 31.12.2016 ist Chile aus der DAC-Liste der Entwicklungsländer gestrichen. So haben wir nun ein Projekt zur Fortbildung von Akademikern und Technikern in Argentinien vor. Dabei werden wir Schulungen und Train-the-Trainer-Maßnahmen für Firmen anbieten.

Welche Serviceleistungen der AHK Chile haben Sie in Anspruch genommen?

Wir haben die AHK durch eine Delegationsreise für Erneuerbare Energien vom BMWi
kennengelernt, und danach 2015 an der Delegation von Hannelore Kraft teilgenommen. Die Delegationen waren hervorragend organisiert. Seit 2016 sind wir Kammermitglied und nehmen an der Energiegruppe der AHK teil.

www.hydrotherm.cl