AHKs als Brücke zwischen Old- und New-Economy

Dr. Michael Blank, Leiter des Referats AHK-Mitgliedschaft, New Economy & Startups am DIHK

Das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern stellt sich weltweit auf das Phänomen der Gründer in Zeiten von Industrie 4.0 ein und will eine  Brücke zwischen Startups und „Old Economy“ bilden. Die AHK Chile sprach darüber mit Dr. Michael Blank, Leiter des Referats AHK-Mitgliedschaft, New Economy & Startups am DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. 

Wie schätzen Sie die Entwicklung der globalen Startup-Szene ein?

Dr. Michael Blank:
Nüchtern betrachtet sind Startups gar kein neues Phänomen, sie gab es schon immer. Früher hießen sie nur nicht „Startups“, sondern „Gründer“, und deren „Disruptionen“ waren „Innovationen“. Der wichtigste Unterschied zwischen „Damals“ und „Heute“ sind die neuen Technologien, mit deren Hilfe junge Unternehmen heutzutage in die Lage versetzt werden, neue Geschäftsmodelle rasant auszudehnen, mit ihnen zu wachsen und neue Kunden zu erreichen – in der Sprache der Startups spricht man von „Skalieren“. Schnelles Wachstum erfordert gleich zu Beginn einen erhöhten Kapitalbedarf sowie Managementmethoden, die oftmals die traditionellen Denkmuster fester Hierarchien und langwieriger Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse hinter sich lassen. All dies unterscheidet das Leben in der „New Economy“ vom traditionellen Wirtschaften, ersetzt es aber nicht völlig. Wir werden auch zukünftig „reale Produktionsprozesse“ erleben; diese werden allerdings konsequent mit digitalen Elementen verbunden – in Deutschland wurde hierzu der Begriff „Industrie 4.0“ geprägt. Startups können dabei wertvolle Hilfestellung bieten und mit der „Old Economy“ sinnvolle Kooperationen in beiderseitigem Interesse eingehen. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung der globalen Startup-Szene eng mit der generellen Wirtschaftsentwicklung verbunden und sollte nicht losgelöst betrachtet werden. Aus „Startups“ werden darüber hinaus im Laufe der Zeit „Grownups“, und diese sehen sich dann selber mit den Disruptionen neuer, junger Unternehmerinnen und Unternehmern konfrontiert. Inwieweit diese dann als Bedrohung oder als Chance gesehen werden, hängt von der Strategie des einzelnen Unternehmens ab.
 
Welche Herausforderungen sehen Sie für das Netzwerk der Auslandshandelskammern?
Dr. Michael Blank: Zunächst einmal müssen sich die AHKs den jungen Unternehmen gegenüber öffnen und von den Startups als attraktiver Partner akzeptiert werden. Etwas selbstkritisch sollte man feststellen, dass die Institution “Kammer” aus Sicht junger technologie-affiner Unternehmer bisher sicherlich nicht die erste Anlaufstelle ist, um sich zu vernetzen oder Rat einzuholen. Diese Wahrnehmung entspricht leider nicht dem, was die AHK tatsächlich zu bieten hat: Eine wichtige Plattformfunktion und Brücke zwischen Startups und “Old Economy” nämlich. Weltweit sind knapp 50.000 Unternehmen Mitglied bei den AHKs. Eine wichtige Funktion der Kammern ist es, diese miteinander zu vernetzen und daraus Geschäftsmöglichkeiten abzuleiten. Startups könnten diesen Service ebenfalls nutzen – denn am Ende des Tages müssen auch sie ihre (oftmals digitalen) Waren und Dienstleistungen im Zuge von B2B an den Mann beziehungsweise das Unternehmen bringen.
Andererseits können die AHKs aber auch den traditionellen Firmen als “Scout” dienen und ein globales Sourcing von Startups betreiben. Im Rahmen von Verbundprojekten könnten somit dem deutschen Weltmarktführer in der Medizintechnik, im Automobilbau oder im Werkzeugmaschinenbau passgenaue Technologien oder Plattformen von Startups aus aller Welt präsentiert werden. Auch diese Maßnahme hilft Vertretern beider Seiten, der “Old Economy” und der “New Economy”. Last but not least lassen sich bereits bestehende, erfolgreiche Dienstleistungen einiger AHKs mit Startup-Bezug auf andere Regionen und Kammern ausdehnen. Da gibt es noch eine Reihe ungenutzter Synergien, beispielsweise bei den Themen “Aufbau von Akzeleratorprogrammen” oder bei der Vernetzung verschiedener Startup-Ökosysteme, etwa im Zuge von Besuchsreisen mit klar strukturiertem Programm.
 

 

 

2016: Startup-Szene Chile um 26 Prozent gewachsen

Seit 2013 wächst die Startup-Szene in Chile beständig. 2016 ist sie im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent gestiegen. Die Wirtschaftsförderung CORFO unterstützte Inkubatoren, die knapp 6,8 Millionen Euro an 888 junge Unternehmen vergeben haben. Diese erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23 Millionen Euro und beschäftigten 1.772 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 waren es 1.458 Mitarbeiter. Hauptbranchen sind IKT, Biotechnologie, Gesundheitswesen und Robotik.

Quelle: CORFO

Weitere Einzelheiten zur chilenischen Startup-Szene im iit-Trend-Monitoring